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Land of the Brain
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Leseprobe aus

Eva Hahn

Land of the Brain
Als E-Book zum reduzierten Preis von
15.- Euro incl. MwSt


Nur exklusiv beim Verlag KiChiKi erhältlich!

Kurzinfo:

Erfahren Sie mehr darüber wie unser Gehirn
ab der Zeugung denkt, Strukturen aufbaut und
wieder ändert, warum wir bestimmte Ver-
haltensmuster annehmen usw., von der
Zeugung bis zum Tod. Lernen Sie sich und
andere dadurch besser kennen.

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Machen Sie mit mir eine Reise von der Zeugung über die körperliche Entwicklung im Mutterleib,
dem Denken des Embryos, seine Stressverarbeitung bis hin zur Geburt und die nachhaltige
Einprägung in das Gehirn der ersten 9 Monate seines Lebens. Erfahren Sie etwas über
die Entfaltung der Denkprozesse, die Verarbeitung von Neuem, die Verknüpfung der
einzelnen Speicher des Gehirns, um Wissen abrufen zu können, die Entstehung von Lega-
sthenie, Dyslexie, Dyskalkulie, Hyperaktivität usw. Ein unverzichtbares Buch, wenn Sie mehr
über sich, Ihr Gehirn und das von anderen wissen und Abhilfe bei Fehlfunktion schaffen wollen.


Olivia Ovum war die einzige Überlebende einer langen Tradition von Verstorbenen. Sie war
mutterlos und lebte bei ihrer Tante Graaf, die sie alles lehrte, was sie für ihr weiteres Leben
brauchen würde. Diese erzählte ihr lange Geschichten über das Leben und seine Vorzüge,
wie es sein könnte, verabsäumte es jedoch nicht, ihr auch die Schattenseiten darzulegen.


Eines Tages geschah es: Tante Graaf eröffnete Olivia, daß sie nun alleine gelassen werden
würde. Sie, die Tante, müsse sterben. Sie habe ihr alle nötigen Informationen gegeben und
Olivia würde ihren Weg ohne sie gehen müssen. Olivia, ob dieser Botschaft wie gelähmt,
versuchte aus verschiedenen Möglichkeiten eine zu finden, die dieses anscheinend Unab-
dingbare ungeschehen machen könnte. Aber alles war umsonst. Der Tag kam, an dem
Tante Graaf die Augen schloss. Olivia wusste nun nicht, was sie machen sollte. Die Trauer
saß tief ob dieses Verlustes. War die Tante doch die einzige Bezugsperson gewesen, die
Olivia je hatte.


Es dauerte nicht lange, da merkte sie, daß sie von einer sie schützenden Flüssigkeit um-
geben wurde, die sich in einer heimeligen Hülle befand. Es schien, als ob das Schicksal sie
für den Verlust ihrer Tante entschädigen wollte. Sie konnte sich mühelos darin bewegen und
genoss die ungewohnte Schwerelosigkeit und Geborgenheit. Sie fühlte sich wieder so
beschützt wie damals, als sie die Tage mit ihrer Tante verbrachte. Doch dieses Glück dauerte
nicht lange, die Flüssigkeit vermehrte sich, ohne dass sich die Hülle vergrößerte, sie wurde
fast erdrückt und wusste nicht, was ihr geschehen würde. Es war ein Gefühl, als wolle etwas
Unbekanntes sie töten. Und da geschah es: Sie wurde mit einem kräftigen Stoß aus der
schützenden Flüssigkeit in eine andere, neue Welt geschubst. Sie war zwar jetzt frei, doch
die Geborgenheit und die schützende Wärme waren dahin. Sie sah sich um, doch es war
niemand zu sehen. Sie wusste nicht, wohin der Weg sie führte. Sie fror und war wieder einmal
ganz alleine. Sie hatte nur einen Wunsch, mit jemandem beisammen zu sein. Ihre Sehnsucht
nach jemandem, mit dem sie leben könnte, wurde immer größer. Wieder verfiel sie in Trauer
ob des Verlustes. In ihr kamen Gedanken wie: „Keiner mag mich“ - „Jeder will mich loshaben“
- „Das schaff ich nie“ - „Kaum habe ich jemanden, wird er mich auch schon genommen“ Sie
geriet in Angst und dachte bei sich: „Werde ich je jemanden finden?“ - „Ich bin es nicht wert“.
Zweifel stiegen in ihr auf. „Ob ich es je schaffen kann, glücklich zu sein?“ Depressionen
gewannen die Übermacht: „Ob ich es je schaffe, glücklich zu sein?“ Enttäuschung machte sich
breit: „Alles, was ich anpacke, geht flöten“ - „Immer, wenn ich etwas habe, wird es mir ge-
nommen“. Sie geriet in Zorn ob ihrer Lage und beschloss, alles hinzuwerfen und Unbekannte
für ihr Leid verantwortlich zu machen. Sie wurde zynisch und verschanzte sich hinter Ausreden.
Bis sie nach diesen durchlebten Emotionen spürte, dass sie sich kampflos in ihr Schicksal
geben konnte oder das beste daraus zu machen.


Olivia überlegte und kam zu mehreren Lösungen. Die eine war: „Jetzt erst recht“. Aber auch:
„Ich zieh das alleine durch, falls ich niemanden finde“ oder „Ich schaff mir die passenden Um-.
stände, um überleben zu können“ oder „Vielleicht gibt es doch jemanden, der mir helfen kann“
oder einfach nur „schau ma mal“ und dümpelte weiter.


Sammy Sperm lebte in einem Waisenhaus, in das jede Sekunde 1000 neue Kinder kamen.
Er wurde dort von klein an aufs beste versorgt, es war, als hätte er eine eigene Mutter, die ihn
tröstete, wenn er weinte, die ihm Geschichten erzählte oder ihm nach seinen Raufereien mit
den anderen Kindern die Wunden verband. Es gab einen großen Aufenthaltsraum, indem sie
alle gehätschelt und aufs allerbeste betreut wurden. Sie wuchsen in der Geborgenheit von
sich aufopferndem Pflegepersonal auf, bekamen regelmäßig zu essen, wurden gut erzogen
und immer hatte jemand Zeit für ein Schwätzchen. Sehr großen Wert wurde in diesem Heim
auf Sportlichkeit gelegt.


Sie besuchten die heimeigene Schule, in der sie unter anderem eines Tages angewiesen
wurden, den theoretischen Teil ihrer Ausbildung zu lernen. Sie erfuhren, wie sie ihre Chromo-
somen von 46 auf 23 reduzieren konnten Den praktischen Teil erledigten sie im Handarbeits-
unterricht, indem sie X oder Y-Chromosomen herstellen konnten. Sie wussten, dass sie dazu
die mitotische Teilung anwenden konnten, die es ihnen ermöglichte 8 unterschiedliche Zellen
zu produzieren. Sie fragten nicht nach dem warum, sie taten es einfach, weil es ihnen gesagt
wurde. Punktum.


Als sie größer wurden, mussten sie in ein anderes Haus umziehen, weil viele kleinere Waisen-
kinder ins Heim kamen. In dieser neuen Heimat befanden sich alle nur erdenklichen Sportgeräte.
Ein Paradies für Sporttreibende. Ein Fitnessstudio der Superlative. Sie waren zu kernigen
Jugendlichen herangereift mit allen deren Unflätigkeiten und oft unverständlichen Späßen und
mussten straff geführt werden. Sie wurden angehalten, regelmäßig zu trainieren, um ihre über-
schüssige Energie abzuarbeiten. Sie trainieren Schnelligkeit im Team, bewiesen Kraft im
Partnersport und Ausdauer im Einzelkampf. Es gab, wie überall Faule und Fleißige. Es gab jene,
die ihre Fitnesseinheiten von anderen erledigen ließen und sich dafür deren Mineralstoffe
geben ließen und sich rund und kugelig aßen. Es gab faule Säcke, die solange in der Ecke
lagen, bis der Betreuer kam, dann taten sie schnell so, als seien sie fleißig. Die nächsten
träumten vor sich hin und vergaßen immer wieder ihr Sportprogramm zu erledigen. Andere
verfielen ob dieses strengen Pensums in Depressionen und landeten beim Psychologen. Und
es gab jene, die sich über Unwahrheiten die besten Möglichkeiten erschlichen. Doch die
meisten waren kampfesmutig und diszipliniert. Sie waren beweglich und durchtrainiert. Alle
Muskeln waren gestählt worden, sie bekamen nur die besten Vitamine und Mineralstoffe und
wuchsen zu stattlichen, kräftigen Männern heran, von denen sich keiner fragte, warum sie
diesen Aufwand treiben mussten.


Sie werden aufgefordert, sich auf ein großes Rennen einzustellen, das Ziel wurde ihnen nicht
bekannt gegeben. Sie glauben, es handle sich wieder um eine der berühmten Schnitzeljagden,
die sie so oft gespielt hatten und können den Ernst in der Stimme ihrer Betreuer nicht verstehen.
Sie werden angewiesen, ihre Chromosomenpäckchen zu schnüren, genügend Proviant mit zu
nehmen, jeder bekommt in seine Mütze Hyaluronidase und ein bisschen Akrosin. „Das werdet
ihr noch brauchen“, erfahren sie und nehmen diese Information hin, ohne zu fragen, wofür,
einfach hin. Ihre Mitochindrienöfen werden angeheizt und das ATP darin als Treibstoff verwendet.


Und da. Da ist der Startschuß. 200 - 600 Millionen Durchtrainierte werden in eine unbekannte
Gegend geschleudert und rennen mit einer Geschwindigkeit von 8mm in der Stunde los. Einer
neben der anderen. Jetzt zahlt es sich aus, wenn man gut trainiert ist. Auf einmal erstarrt der
ganze Pulk . Da kommt ein unerwarteter Feind in großer Anzahl im Laufschritt. Am besten ist es,
„tot“ zu spielen, weglaufen hat keinen Sinn. Augen zu und Atem anhalten. Vielleicht hilft das,
ungeschoren davon zu kommen.


Das Immunsystem der Frau wittert Eindringlinge, die sofort eleminiert werden müssen. Die
Abwehrpolizei patrouliert auf und ab. Doch da kein sichtbares Leben mehr vorhanden ist,
zieht das Geschwader wieder ab. Kaum ist die Katze weg, tanzen die Mäuse und das Rennen
beginnt erneut. Die Spermien drängen Kopf an Kopf vorwärts mit der ständigen Frage auf
den Lippen: „Wo sind wir? Was machen wir? Warum sind wir alle hier und nicht mehr im Körper
des Mannes?“ und „Wo bitteschön gehts denn hier hin?“ Ein zunächst ziel- und planloser Haufen,
der sich „irgendwohin“ bewegt.


Die Ersten machen schon nach wenigen Minuten schlapp und setzen sich hin. Andere haben
nicht genügend Treibstoff und bleiben mit Motorschaden liegen. Der Doppelkopf, der immer ge-
prahlt hat, wie schlau er doch sei, rennt nur noch im Kreis, weil sich keiner der beiden für eine
bestimmte Richtung entscheiden kann. Die Zweischwänzigen haben Koordinationsprobleme,
wie immer, und geben auf. Die Depressiven rufen nach ihrem Therapeuten und sind total mit
der neuen Situation überfordert. Wieder andere haben Atemprobleme und kommen nicht mehr
weiter. Die Vielfrasse futtern ihre Vorräte auf und denken sich, es ist eh alles viel zu anstrengend.
Was solls?